Zum Alltag des Lebens gehören Konflikte in und zwischen Menschen, Organisationen, Kulturen, Unternehmen. Konfliktlösungen bergen für Kreativität und Innovation ein unermessliches Potenzial.
Zu den heute etablierten Verfahren der Krisen- und Konfliktbewältigung-/ Lösung (juristische/ politische Auseinandersetzung, Schiedsgerichtsverfahren, Schlichtung, etc.), die entweder nur Sieger oder Besiegte ( Lose-Win, Lose-Lose) kennt und weniger strukturiert ablaufen, fügt die Mediation einen dritten Weg hinzu. Ziel der Mediation ist die einvernehmliche Lösung (Win-Win), die in einem klar strukturierten Prozess von den Beteiligten (Medianten) erarbeitet wird.
Eine Untersuchung zeigt:.....In 70 Prozent der analysierten (Wirtschafts)gerichts-/ Schiedsverfahren hätte eine Wirtschaftsmediation bei den Konfliktparteien zu einer Win - Win Lösung geführt.... Und dabei signifikant Kosten gespart. Im angelsächsischen Rechtssystem ( Common Law- insb. USA und Staaten des Commonwealth )wird Mediation u.a. auch bei Konflikten im Wirtschaftsleben mit Erfolg eingesetzt. (Hohe Erfolgsquote über 90 Prozent !).
Mediation (lat. Vermittlung) ist ein außergerichtliches, nicht öffentliches Verfahren zur konstruktiven Regelung eines Konfliktes, bei dem die Konfliktparteien mit Unterstützung eines Dritten -des Mediator-einvernehmliche Vereinbarungen suchen, die ihren Bedürfnissen und Interessen dienen. Inzwischen ist bei bestimmten Gerichten (z. B. dem Verwaltungsgericht Berlin) das Mediationsverfahren eingeführt worden.
Grundlegendes Ziel der Mediation ist eine verbindliche, in die Zukunft weisende Vereinbarung. Die Mediation dient der gütlichen Einigung zwischen den Parteien (Medianten), fragt nicht nach "Schuld", sondern danach, wie die Parteien in Zukunft miteinander umgehen wollen (lösungs- und zukunftsorientiert). Dabei entscheidet nicht der Mediator, sondern ausschließlich die Parteien, worüber sie verhandeln und wie sie ihren Konflikt lösen wollen. Wichtige Grundforderungen für die Durchführung einer Mediation sind die Vertraulichkeit (des im Rahmen des Verfahrens ausgetauschten Wissens), die Freiwilligkeit (d.h. das Recht aller Beteiligten, eine Mediation jederzeit verlassen zu können), die Ergebnisoffenheit aller Beteiligten (keiner knüpft seine Teilnahme an Vorbedingungen) und die Allparteilichkeit desMediators. Neutrales Verhalten wäre zu wenig.
In einem Mediationsverfahren fehlt der Entscheider, im Gegensatz zu einem Gerichtsverfahren (Entscheider ist u.a. der Richter). Die Medianten lösen "mittels" des Mediators (Begleiter nicht Entscheider) den Konflikt eigenständig.
Die systematische Anwendung der Mediation ist relativ neu und stammt aus den USA. Sie basiert auf Erkenntnissen der interdisziplinären Konflikt- und Kommunikationswissenschaften und hat als Basis: Das Havard - Konzept.
Dieser Klassiker der Verhandlungsstrategie setzt auf " win - win ". Es gelten hier vier Grundsätze: 1. Trenne Mensch und Problem (Situation) voneinander, 2. Verhandele Interessen - nicht Positionen, 3. Finde Optionen, die allen Vorteile bringen, 4. das Ergebnis beruht auf objektiven Kriterien.
Der Zugang zur Tätigkeit des Mediators ist (erstmalig) in Österreich seit dem Jahre 2004 gesetzlich geregelt. Nach Abschluss der Ausbildung kann sich der Mediator dort in die Liste der Bundesmediatoren eintragen lassen. In Deutschland gibt es öffentliche und private Bildungseinrichtungen, die Ausbildungen zum Mediator, u.a. auch spezialisiert zum Wirtschaftsmediator oder Familienmediator, anbieten. Voraussetzung für die Ausbildung ist meist ein abgeschlossenes Hochschul- Studium in den Bereichen BWL, Jura, Psychologie oder Sozialpädagogik/ Sozialarbeit mit entsprechender praktischer Erfahrung. ...Sich mit Kommunikation, Konfliktbewältigung auskennen...und Einfühlungsvermögen haben. Die Ausbildungsstandards bei unterschiedlichen Instituten entsprechen den europäischen Richtlinien.
Die Qualifikation einer Ausbildung können Mediatoren nachweisen und bieten durch ihren Abschluß ein sicheres Qualitätsmerkmal für Hilfesuchende. Das Evangelische Bildungswerk www.ebw-in.de bietet in Zusammenarbeit mit dem www.kommed.info Institut für Kommunikation und Mediation eine zertifizierte Ausbildung zum Mediator BM www.bmev.de an. Auch gibt es seit 2005/08 drei nationale Masterstudiengänge, die mit dem akademischen Grad eines "Master of Mediation (MM)" in Hagen und dem "Master of Arts (MA)" in Frankfurt an der Oder / www.hs-niederrhein.de/Sozialwesen abschließen. Desweitern bietet die Fachhochschule Koblenz in Kooperation mit der FH Darmstadt ein Fernstudium Mediation an. Informationen unter www.zfh.de. An der Uni Augsburg ist im Magister-Studium Mediation ein Schwerpunkt.
Die Anwendung des Mediationsverfahrens findet in den Bereichen: Familie, Schule, Gemeinwesen, Planen und Bauen sowie Wirtschaft statt. Der Schwerpunkt des BKfU® liegt in den Bereichen: Familie, Gemeinwesen undWirtschaftsmediation.
Mediation, die Vermittlung durch einen Dritten - des Mediators - ist ein strukturiertes Verfahren in sechs Phasen.
Am Beispiel einer (Wirtschafts)-Mediation sei dies in Kurzform dargestellt.
Phase 1 Mediationsvereinbarung: Der Mediator erläutert den Konfliktparteien im Einzelnen die Grundlagen der Mediation. Er informiert über den Ablauf und vereinbart mit den Medianten welche Verfahrensregeln im Einzelnen gelten sollen. Er prüft außerdem, ob sich das Verfahren für die Beteiligten eignet bzw. die Parteien müssen entscheiden, ob sie eine Mediation wollen ( Freiwilligkeit ). Der Mediator erklärt seine Rolle mit dem Hinweis auf seine Allparteilichkeit.
Phase 2 Informations u. Themensammlung: In dieser Phase wird geklärt, worüber zwischen den Parteien Uneinigkeit und worüber Einigkeit besteht. In der Bestandsaufnahme werden dabei die klärungsbedürftigen Themen -beider Seiten- gesammelt und visualisiert. Der Mediator formuliert die zu klärenden Themen neutral, positiv und lösungsoffen. Als die Basis für eine erste Empathie.
Phase 3 Klärung der Interessen und Bedürfnisse: Der Mediation liegt der Gedanke zugrunde, dass es keine objektive Wahrheit gibt, sondern dass jeder Mensch seine eigene subjektive empfundene Wirklichkeit hat. Diese gilt es zu erkennen und zu verstehen. Das Aufdecken dieser Interessen und Bedürfnisse -mit Hilfe der Kommunikationswissenschaft und bestimmter Fragetechniken- fördert das (wechselseitige) Verständnis und -letztlich- die Akzeptanz der verschiedenen Sichtweisen. Nur so werden die Konfliktparteien in die Lage versetzt, zukunftsorientierte, wertschöpfende Optionen zu entwickeln.
Phase 4 Kreative Ideensuche/ Bildung von Lösungsoptionen: Die nun (Phase 3) herausgestellten Interessen und Bedürfnisse fordert die Konfliktparteien in Kreativität. Mittels der verschiedenen Verfahren ( Brainstorming / Skalierung) werden Lösungsoptionen entwickelt.
Phase 5 Bewertung und Auswahl der Lösungsoptionen: Diese Phase hat zum Ziel, die Optionen auf ihre Realisierbarkeit hin zu überprüfen. Vor-und Nachteile werden dabei abgewogen. Der entscheidende Vorteil einer Mediation ist die Abkehr vom Positionsdenken hin zu zukunftsorientierten Interessen als Eröffnung von Einigungsalternativen. Das Ergebnis wird mit Hilfe des Mediator zusammengefaßt.
Phase 6 Mediationsvereinbarung: Vereinbarung/ Abschluß eines Lösungspaketes.. in dieser Phase geht es darum, aus den realisierbaren Einigungsoptionen ein Gesamtpaket -in Form einer schriftlichen Vereinbarung- zu schnüren, das sich umsetzen und rechtlich durchsetzen läßt. Ggf. unterer anwaltlicher oder notarieller Beratung.
Im Letzteren sind es die Medianten (Konfliktparteien) die in Form einer Abschlußvereinbarung die Regelung des Konfliktes "besiegeln". So werden -und das ist auch das Ziel des Mediators- im Laufe des Mediationsverfahrens aus den Konfliktparteien Personen, die wieder kooperativ miteinander umgehen.
Mediation ist keine Therapie.
Die Mediation bietet sich vor allem dann als Weg der Konfliktlösung an, wenn die Parteien gemeinsame Ziele haben (z.B. weitere Kooperation zweier Unternehmen, beiderseitige Kindeserziehung trotz Trennung).Sie ist somit eminent wirkungsorientiert.
Mediation bietet sowohl für die Parteien wie für die Anwälte gegenüber einer Schieds- oder gerichtlichen/ Auseinandersetzung gravierende Vorteile. Hinter vielen Konflikten stehen persönliche und unternehmerische, wirtschaftliche wie ideelle Zielsetzungen, Interessen und Bedürfnisse, die im Rahmen eines Gerichtsverfahrens (meist) keine Berücksichtigung finden (können). Gegenstand z.B. des Gerichtsverfahrens sind ausschließlich Rechte, die grundsätzlich retrospektiv, also mit Blick zurück auf die Vergangenheit entschieden werden. Gerichtsentscheidungen haben oft keine in die Zukunft weisenden, gestalterischen Elemente. Der Gang zum Gericht führt deshalb in vielen Fällen nicht zu den erwarteten Ergebnissen, ungeachtet des getriebenen zeitlichen und finanziellen Aufwands. Mediation bietet hierzu die Alternative.
Weitere Vorteile sind das unbürokratische, schnell verfügbare flexible Verfahren damit verbunden die signifikante Zeit- und Kostenersparnis (Reduzierung der Rechtsverfolgungskosten, Schonung personeller und betrieblicher Ressourcen Konfliktfolgekosten), die Vertraulichkeit (Bewahrung von Geschäftsgeheimnissen, keine Gefahr der Rufschädigung und von Imageverlusten, keine "Außendarstellung" usw.) sowie die Verringerung "emotionaler Kosten" in Streitverfahren und die - angesichts hoher Erfolgsquoten von etwa 80% - nachhaltige Zufriedenheit der Medianten mit Verlauf und Ergebnis des Mediationsverfahrens.
Mediation ist somit kein Vergleichverfahren, keine Schlichtung und auch kein Schiedsverfahren. Mediation führt zu einer win-win Lösung.
Zugang zu Mediatoren vermitteln in Deutschland häufig örtliche Industrie- und Handelskammern
Unter dem Begriff recht & fair play : www.muenchen.ihk.de -Mediation/ Mediatorenpool-bietet die IHK München und Oberbayern Mediationsverfahren durch erfahrene Mediatoren an.
BKfU® ist Mitglied des Mediatorenpools der IHK für München und Oberbayern.
Zu guter Letzt: ..Ich spreche ein Urteil, und keiner ist damit zufrieden.....Rechtsfrieden habe ich nicht herstellen können....
So eine Richterin. Sie nahm mit Erfolg an einem Modellversuch als "Güterichter" teil. Dieses -in Bayern- erfolgreiche Projekt beinhaltet Elemente der Mediation. Während der Modellphase ergaben sich erfreuliche Erfolgsquoten. Die Güterichter brauchten im Durchschnitt 75 Tage um einen gerichtlich anhängigen Fall mit der Mediations-Methode zum Erfolg zu bringen, gegenüber einer durchschnittlichen Verfahrenslaufzeit von 7,4 Monaten !.
Konfliktparteien sollten -bevor sie Gerichte/ Schiedsstellen in Anspruch nehmen- den Weg der Mediation gehen.
Quellen Literatur: Gewaltfreie Kommunikation n. Marshall B.Rosenberg, Mediation in der Wirtschaft, C.Duve, H. Eidenmüller, A.Hacke. Der Mediator v. C. Filipski Http://www.BKfU.com
Ergebnis der Befragung:
Ist Mediation d a s Mittel zur Konfliktlösung? 77 Prozent sagen ja, 14 Prozent zunächst und 9 Prozent nein.
Minderarbeitsbedingungengesetz und Arbeitnehmer-Entsendungsgesetz, Basis für die Mindestlohn-Gesetze. Konflikte mit den Tarifparteien ! Das Mediationsverfahren hilft.